Ein Buch, das die Rückeroberung der Objektivität ausruft und an seinen eigenen Fakten scheitert 🫢

📖 Thomas Druyen (@druyenthomas) ist Soziologe sowie Vermögens- und Zukunftsforscher an der Sigmund Freud PrivatUniversität in Wien. In „Die Wiederkehr des Guten“, erschienen bei Herder (@verlag_herder), entfaltet er seine Konkrethik: Gut ist nur, was getan wird. Daraus baut er ein Handlungssystem, von einer Entscheidungsformel für den Alltag bis zu einem Rating, das gutes Wirtschaften mit Steuervorteilen und besseren Krediten belohnen soll.

📌 Sein Kernsatz lautet: Ohne verifizierbare Fakten gibt es keine verantwortbare Handlung. Genau daran habe ich das Buch gemessen. Einen Bürgerrat, dessen 47 Forderungen eine Stadt komplett in den Haushalt übernommen haben soll, konnte ich nirgends finden. Die 2,3 Milliarden Menschen in schwerer Ernährungsunsicherheit sind laut UN moderate und schwere Fälle zusammen. Und das Ozonloch dient ausgerechnet als Beispiel fürs Nichthandeln.

💡 Beim Rating bleibt offen, wer es überhaupt vergibt. Dabei stimmen schon die großen ESG-Ratings untereinander nur mäßig überein.

👏🏼 Gelungen sind die knapp vierzig Seiten Praxis: eine Formel für den Moment der Kränkung oder des Kaufimpulses, die Unterscheidung zwischen Ereignis und Identität und der Rat, im Schock nichts Unumkehrbares zu tun.

⭐ Meine Wertung: 1 von 5 Sternen.

💌 Eher geeignet für: wer einen Anstoß sucht, endlich ins Handeln zu kommen, und sich mit dem Praxisteil begnügt.

〰️ Weniger geeignet für: wer ein Sachbuch erwartet, dessen Belege einer Prüfung standhalten.

🩷 Wo sich die Konkrethik selbst widerspricht, von der Haftung für Falschinformation bis zur Todesstrafe, steht in der ausführlichen Rezension auf bookoffinance.de.

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💭 Welcher kleine Schritt hat dich zuletzt weiter gebracht als jeder gute Vorsatz?

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Jedes Jahr bekomme ich ein halbes Dutzend Bücher über Deutschlands Untergang. Hier habe ich zuerst die Fußnoten gelesen 🫢

📖 Daniel Stelter (@dr.daniel.stelter_bto) war über zwanzig Jahre bei der Boston Consulting Group und betreibt heute das Forum und den Podcast „beyond the obvious“. In „Absturz. So retten wir Deutschland“, erschienen bei Langen Müller (@langen_mueller_verlag), nimmt er Demografie, Produktivität, Bildung, Energie und Innovation auseinander und legt mit „Aufbruch 2030“ ein Reformprogramm daneben.

👏🏼 Aus meiner Sicht die am dichtesten belegte Deutschland-Diagnose seit Jahren, 310 Anmerkungen, fast alle nachprüfbar. Selbst beim Klima rechnet er zuerst mit der dramatischsten Zahl der Gegenseite, bevor er die Methode zerlegt, und den Klimawandel nennt er ausdrücklich ein ernstes Problem.

📌 Dreimal gibt die Quelle trotzdem weniger her als sein Satz. Am deutlichsten bei der Zuwanderung: Stelter nennt den fiskalischen Beitrag negativ, die Bertelsmann-Studie, die er zitiert, weist genau diese Größe für 2012 positiv aus.

💡 Schmal bleibt das Programm. Gut zweihundert Seiten Diagnose stehen zwölf Seiten „Aufbruch 2030“ gegenüber, und wie man die Übergangsjahre politisch übersteht, sagt er wenig.

⭐ Meine Wertung: 5 von 5 Sternen.

💌 Eher geeignet für: Unternehmer, Berater und alle, die wissen wollen, warum Deutschland nicht mehr wächst.

〰️ Weniger geeignet für: wer eine ausgewogene Abwägung beider Seiten erwartet.

🩷 Wo die Quelle weniger hergibt als der Satz und warum es trotzdem fünf Sterne sind, steht in der ausführlichen Rezension auf bookoffinance.de.

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💭 Liest du bei Sachbüchern die Anmerkungen mit, oder vertraust du dem Text?

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60.000 Gedanken am Tag, 80 Prozent negativ: Ausgerechnet ein Achtsamkeitslehrer räumt diese Zahlen ab 🫢 anzeige

📖 @shamseyoloko ist promovierter Betriebswirt, Achtsamkeitslehrer und philosophischer Praktiker. In „Die Masterclass für den Geist“, erschienen bei Wiley-VCH (@furdummies, @wiley_global), verbindet er Achtsamkeit, kritisches Denken und philosophische Lebenskunst zu einem Trainingsprogramm für Selbstführung, mit 28 Übungen in drei Schwierigkeitsstufen.

👏🏼 Der Anmerkungsapparat gehört zum Besten, was mir in diesem Segment seit Langem begegnet ist. Und Oloko prüft sein eigenes Feld: die vielen kleinen Studien, die Nebenwirkungen der Meditation, den McMindfulness-Vorwurf, alles steht drin. Am stärksten ist der mittlere Teil zum kritischen Denken, die Methodik von Oscar Brenifier in einer Form, wie sie auf Deutsch meines Wissens sonst nirgends vorliegt.

💡 Wo er die Kritik selbst formulieren müsste, wird er dünner. In keiner der 28 Übungen steht, wann man sie besser lässt, auch nicht bei den Meditationen, die auf die Auflösung des Ich-Erlebens zielen. Und ein empfohlenes Bezahlprogramm stammt von einem Anbieter, für den er selbst arbeitet, ohne dass das im Buch steht.

⭐ Meine Wertung: 4 von 5 Sternen.

💌 Eher geeignet für: Führungskräfte und Selbstständige, die über Monate üben wollen und Achtsamkeitsliteratur bisher zu behauptungsfreudig fanden.

〰️ Weniger geeignet für: wer schnelle Entlastung sucht oder Körper- und Emotionsarbeit erwartet, die der Autor ausdrücklich ausklammert.

🩷 Wie der Autor auf meine Kritik geantwortet hat und was beim Thema Psychedelika fehlt, steht in der ausführlichen Rezension auf bookoffinance.de.

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💭 Welche Zahl über unser Gehirn hast du so oft gehört, dass du sie nie hinterfragt hast?

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In 345 Jahren hat sich Amsterdams teuerste Gracht real gerade einmal verdoppelt. So viel zum Betongold 🫢 anzeige

🏡 Tobias Beuler ist Bausachverständiger, und in „Kauf keinen Scheiß“ nimmt er sich den Gebrauchtmarkt vor statt den Neubau. Er führt durch den kompletten Ablauf, vom Suchen über die Besichtigung und das Verhandeln bis zum Notartermin, und zwar aus der Sicht dessen, der sonst erst gerufen wird, wenn es zu spät ist.

📌 Der Prüfteil ist das Beste, was ich zum Immobilienkauf bisher gelesen habe, und allein dafür lohnt sich dieser Ratgeber. Das erste Kapitel dagegen beruft sich auf Forschung, die es nirgends benennt, und über das Risiko, dass so ein Haus ebenso an Wert verlieren kann, steht im ganzen Buch keine Zeile.

⭐ Meine Wertung: 3 von 5 Sternen.

💌 Eher geeignet für: wer demnächst gebrauchte Häuser besichtigt und vorher wissen will, worauf im Keller und am Dach zu achten ist.

〰️ Weniger geeignet für: wer noch grundsätzlich schwankt, ob Kaufen oder Mieten zu ihm passt. Diese Frage beantwortet Beuler, bevor er sie überhaupt stellt.

📖 Am meisten gestört hat mich letzten Endes ein Widerspruch im Buch selbst. Im Suchkapitel schreibt Beuler nüchtern, der Markt habe sich den Käufern zugewandt, weil sich Häuser nicht mehr so leicht verkaufen lassen. Im Motivationskapitel davor steigen die Preise angeblich sowieso immer weiter. Für einen Sachverständigen, dessen ganze Autorität auf Nüchternheit fußt, ist das die eigentliche Enttäuschung.

💭 Worauf achtest du bei einer Besichtigung zuerst, und worauf hast du früher nie geachtet?

🩷 Meine ausführliche Rezension zu „Kauf keinen Scheiß“, mit den Langfristdaten zum Immobilienpreis und dem, was der Prüfteil wirklich leistet, steht auf bookoffinance.de.

— Vor der nächsten Besichtigung lohnt es sich, den Beitrag griffbereit zu haben. Für Sachbuch-Kritik, die das Kleingedruckte liest, folge @bookoffinance.

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